2012-09-02 Einsatz: Großbrand in der Rotte des Entsorgungs- und Logistikcenters (ELC) der AWA in Horm

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Einsatz kurz und bündig
Einsatz: Brand
Gemeinde: Hürtgenwald
Ortsteil: Horm
Ortsbeschreibung: Pfarrer-Pleus-Straße
Datum:

02.September 2012 09:49

Statistik
Einheiten:
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Bericht Einsatzleitung

Informationen zum Einsatzablauf

Am Sonntag, dem 02.09.2012, wurden der Löschzug Nord und der ELW 1 der Freiwilligen Feuerwehr Hürtgenwald um 9:49 Uhr zu einer unklaren Rauchentwicklung auf die K29 in Höhe der Ortslage Horm alarmiert.

Beim Eintreffen der ersten Einheiten konnte eine Rauchentwicklung auf dem Firmengelände der dort ansässigen Restmüllverwertungsanlage festgestellt werden, so dass umgehend das Einsatzstichwort auf BD4 erhöht wurde.

Nach der ersten Erkundung ergab sich folgendes Lagebild:

Die Restmüllverwertungsanlage besteht aus einer Halle, die durch F90-Wände baulich in mehrere Abschnitte getrennt ist. Aus einem Hallenabschnitt (ca. 40m x 50m) drang Rauch ins Freie. Der Zugang zu diesem Bereich war von mehreren Seiten aus möglich. Wie sich im Laufe des Einsatzes herausstellte, befanden sich im betroffenen Hallenbereich 6 die Müllrotten. Diese werden von einer Seite aus mit Müll gefüllt und dieser wird dann anschließend über ein Transportsystem langsam zum anderen Ende der Rotte befördert. Jede dieser Rotten ist dabei ca. 3m hoch, 4m breit, 35m lang und mit Stahlbeton umschlossen.

Zu Beginn wurde ein Innenangriff von der südlichen Gebäudeseite aus vorgetragen. Nach Eintreffen des Löschzuges Süd wurde dann auch von der nördlichen Seite ein Trupp ins Gebäude geschickt. Nach kurzer Zeit schon konnte von außen eine zunehmende Rauchentwicklung (tief schwarzer Rauch) festgestellt werden. Die steigende Brandintensität wurde auch durch die vorgehenden Trupps bestätigt, die bereits Deformationen von Stahlträgern beobachten konnten. Da sich auch eine Rauchgasdurchzündung abzeichnete, wurden umgehend alle Kräfte zum Rückzug aufgefordert und nur noch ein Außenangriff vorgetragen.

Im weiteren Einsatzverlauf wurden insgesamt 7 Einsatzabschnitte gebildet: Brandbekämpfung I (Süden), Brandbekämpfung II (Norden), Brandbekämpfung III (Osten), Bereitstellung Atemschutz, Wasserversorgung, Messen und Betreuung. Weiterhin wurde ein Bereitstellungsraum auf der Kreisstraße 29 eingerichtet.

Da neben den bodengebundenen Strahlrohren immer mehr Wasserwerfer eingesetzt wurden und zeitweise bis zu 6 Drehleitern mit Wenderohren im Einsatz waren, war die vorhandene Löschwasserversorgung schnell ausgeschöpft. Daher musste eine Wasserversorgung über lange Wege von Kufferath aus und dem noch weiter entfernten Mühlenteich aufgebaut werden. Insgesamt wurden dabei 4 B-Leitungen mit einer Länge von jeweils ca. 3,5km aufgebaut, um die Löschwasserversorgung sicherzustellen. Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass der betroffene Hallenbereich statisch instabil ist, konnte über die gesamte Einsatzdauer hin kein erneuter Innenangriff vorgetragen werden. Es stellte sich aber nach und nach heraus, dass der Brand sich nur noch auf die 6 Rotten beschränkte. Da diese aber ca. 2m hoch mit Müll gefüllt waren und Aufgrund der unklaren Statik nicht geräumt werden konnten, wurde zunächst Wasser mit Netzmittel und später Löschschaum zur Brandbekämpfung eingesetzt. Um den Schaum möglichst tief in die Rotten einzubringen, wurde ein Schaumrohr auf einem betriebseigenen Teleskopmastfahrzeug angebracht und der Teleskopmast dann in die Rotten ausgefahren. Dies wurde abwechselnd bei allen Rotten durchgeführt.

Da die Rotten nur von der südlichen Seite von außen zugänglich waren und der Teleskopmast auch nicht das Ende der Rotten erreichen konnte, wurde nach und nach auch die nördliche Wand geöffnet und der Schaumangriff dann auch von dieser Seite aus vorgenommen. Insgesamt zogen sich die Öffnungs- und Löscharbeiten zunächst bis in den späten Montagabend hin. Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass sich noch Glutnester in dem in den Rotten verbliebenen Müll befinden, wurde eine Brandsicherheitswache eingerichtet. Diese musste bis zum Dienstagabend immer wieder aufflammende Glutnester ablöschen. Die Einsatzstelle wurde am Dienstagabend dem Betreiber übergeben.

Während der gesamten Einsatzdauer wurde durch Messeinheiten die Schadstoffbelastung in den angrenzenden Ortschaften überwacht. Hierbei konnte noch in weiter Entfernung eine Geruchsbelästigung festgestellt werden. Grenzwerte wurden dabei nicht überschritten. Messungen wurden dabei ebenfalls durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) mit einem Spezialfahrzeug durchgeführt.

Durch den hohen Bedarf an Feuerwehrkräften und Material wurden während dem Einsatzverlauf nach und nach Feuerwehren aus dem gesamten Kreisgebiet und den angrenzenden Kreisen angefordert. Zudem waren THW und DRK über einen Großteil der Einsatzdauer vor Ort. Das THW hat dabei die Arbeiten mit der Bereitstellung einer Hubarbeitsbühne und dem Ausleuchten der gesamten Einsatzstelle unterstützt. Durch das DRK wurden in der Anfangsphase Rettungsmittel zum Schutz der Einsatzkräfte gestellt und über die gesamte Einsatzdauer auch eine Verpflegung sichergestellt. Die Einsatzleitung wurde durch die Führungsunterstützungsgruppe des Kreises Düren (FüG) unterstützt, so dass eine stabsmäßige Führung mit den verschiedenen Sachgebieten (S1 – S6), der IUK-Einheit (Information und Kommunikation) und verschiedenen Fachberatern über eine lange Zeit gewährleistet war.

Insgesamt waren am Sonntag bis zu 270 Einsatzkräfte vor Ort, am Montag waren es bis zu 100 Einsatzkräfte. Der Grundschutz im Gemeindegebiet wurde während der Einsatzdauer durch wechselnde Kräfte aus verschiedenen Kommunen des Kreises sichergestellt. Diese wurden an der Rettungswache in Kleinhau stationiert und konnten auch in der dortigen Rettungswache übernachten.

Bei dem Einsatz wurden glücklicherweise weder Betriebsangehörige noch Einsatzkräfte verletzt.





Pressemitteilungen

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